ZUR KENNTNISNAHME

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Mittwoch, 26. August 2009

Altweibersommer




Gleich einer reifen Frau von schönster Sorte
streift jener Sommer noch einmal das Feld, die Flur.
Verwöhnt mit seinem lauen Atem viele Orte,
zeigt unverhüllt die Herrlichkeiten der Natur.

Noch küssen uns des Sommers warme Strahlen,
der Herbst, er scheint so weit und fern zu sein.
Und während Sonnenblumen sich gen Himmel malen,
erfreut den Menschen Obst und neuer Wein.


Wie lange mag der Sommer seine Tage mit uns teilen,
sein helles Antlitz und die übervolle, pure Lust.
Wir wünschten uns, er müsse nicht so schnell enteilen,
und mancher wehe Ton liegt auf der heißen Brust.


Schon bald hat er sein frohes Spiel verloren,
der Herbst tut eisern die Regentschaft kund.
Dann wird die Macht des Windes neu geboren,
der Bäume Blätter werden wieder welk und bunt.


Hansjürgen Katzer















Donnerstag, 30. Juli 2009

lauschet und höret der Stille

Friede

Über die Heide geht der Wind;


Es flüstert im Gras, es rauscht in den Bäumen.

Die dort unten erschlagen sind,

Die vielen Toten, sie schweigen und träumen.

Hören sie nicht den Glockenklang?

Dringt nicht zu ihnen aus heiligen Räumen

Halleluja und Friedenssang?

Die vielen Toten, sie schweigen und träumen.

Voll des Dankes ist alle Welt,

Sie darf mit dem Lobe des Herrn nicht säumen;

Wer im Kampfe fiel, heißt ein Held.

Die vielen Toten, sie schweigen und träumen.

Wenn die Herrscher versammelt sind,

Bei festlichem Mahl lasst die Becher schäumen!

Über die Heide geht der Wind;

Die vielen Toten, sie schweigen und träumen.


Ludwig Thoma, 1903